Liebe Leserinnen und Leser,

auch Friedrichsfeld hat seine eigene Geschichte. Diese ist zwar bedeutend jünger als die von unseren Nachbargemeinden wie Seckenheim oder Edingen und Neckarhausen, aber auf über 3 Jahrhunderte können wir zwischenzeitlich auch zurückblicken.

 

Es war im März 1682 als französische Glaubensflüchtlinge, man bezeichneten sie als Hugenotten, bei Kurfürst Karl vorstellig wurden um ihm eine Bittschrift zu überreichen. Die Unterzeichner dieser Schrift, denen sich noch sechs weitere Familien anschlossen, kamen aus der Gegend von Sedan. Es waren: Paul Drourin, Daniel le Loup und Pierre le Roy. An die Spitze Ihres Gesuches stellten sie die Bitte um Überlassung von brachliegendem Ödland, das sie urbar machen und bebauen wollten.

Kurfürst Karl nahm das Gesuch gerne an, denn er wollte sein Land wieder bevölkern und fruchtbar machen. Es war die Zeit nach dem 30 jährigen Krieg, in der es noch große Gebiete von Brach- und Ödland gab.

Zwischen Seckenheim und Edingen wollte man die Flüchtlinge ansiedeln. Der Gemeinsmann, Herr Hess aus Kirchheim wurde beauftragt, mit den Neuankömmlingen diese Gegend zu begehen, damit sie ihre Wünsche äußern könnten. Vier Stunden wurden sie herumgeführt. Am geeignetsten erschien ihnen zur Ansiedlung die Gegend am Seckenheimer Hirtenbrunnen, südöstlich von Seckenheim.

Ohne eine formelle Zuweisung abzuwarten, ließen sie sich am Seckenheimer Hirtenbrunnen nieder, fällten Bäume im nahen Wald, erbauten sich Holzhütten und begannen emsig zu pflügen und zu säen.

Das allerdings erregte den Zorn der Seckenheimer. Denn das besetzte Land, das gehörte zu ihrer Allmendweide. Als die „Welschen“, wie sie anfangs bezeichnet wurden, auch noch die schönsten Eichenbäume fällten und das Holz an ihren Landsmann Walter Dehoust in Mannheim verkauften, da musste die Verwaltungsbehörde einschreiten.

Am 9. Mai 1682 hielt der Vertreter des Oberamtes, Land-Schreiber Clapmeyer, eine Tagesfahrt ab, zu welcher Kläger und Beklagte vorgeladen waren.

Dabei hatte der Landschreiber einen schweren Stand. Er schlug den Franzosen zwischen Edingen und Grenzhof einen anderen Standort vor, wo sie günstigere und bessere Gelegenheit zur Ansiedlung finden könnten.

Nach schließlich langem Hin- und Herreden, waren sie mit dem Vorschlag einverstanden. Aber nur unter der Bedingung, man möge sie nicht voneinander trennen und nicht auf die einzelnen Dörfer verteilen, wie es die Seckenheimer vorgeschlagen hatten.

Auf den 18. Mai 1682 wurde erneut eine Zusammenkunft festgelegt. Und zwar an der Stelle; an der das neue Dorf gegründet werden sollte.

Die für die Ansiedler bestimmte Gemarkungsfläche wurde daraufhin gemeinsam begangen. Die erste Gemarkungsgrenze ist in den Akten etwas ungenau festgehalten: „Von der Steinsäule die Speierer Straße hinauf an die Grenzhöfer Gemarkung von da gegen Grenzhof und herüber gegen Edingen von da wieder zur Säule.“ Mit der „Säule“ ist das Denkmal zur Erinnerung an die Schlacht bei Seckenheim gemeint.

Schwere Arbeit kam auf die Siedler zu. Musste Ihnen doch vieles vorgestreckt werden. Beispielsweise Baumaterial und Saatgut.

Am 10. Oktober 1682 unterzeichnete Kurfürst Karl die Privilegien-Urkunde der neuen Gemeinde. Auch wie das Dorf zu heißen habe, das wurde gleich danach festgehalten, denn die Siedler wollten diesem, in Erinnerung an ihre Heimat, den Namen SEDAN geben.

Kurfürst Karl jedoch bestimmte, zum Gedenken an seinen Vorfahren, Friedrich den Siegreichen von der Pfalz, dass das neue Dorf Friedrichsfeld genannt werde. Hatte dieser „Pfälzer Fritz“ doch 220 Jahre zuvor auf diesem Feld einen Sieg errungen, der in die Geschichtsbücher als die „Schlacht bei Seckenheim“ einging.

 

Wie alle derartigen künstlichen Namensbildungen, so wollte sich auch dieser nicht so recht einbürgern. Was wussten die Flüchtlinge aus Sedan auch vom Pfälzer Fritz und der Seckenheimer Schlacht. Selbst den Nachbarn wurde der Name Friedrichsfeld nicht so recht geläufig. Sie nannten die neue Ansiedlung schlichtweg „Neudorf“ und diesen Namen kann man ab und zu selbst nach über 300 Jahren besonders von den Seckenheimern hören.

Immer mehr neue Siedler kamen nun hinzu. Das führte wegen der Landaufteilung natürlich oftmals zu Streitigkeiten. Um für Recht und Ordnung zu sorgen, wurden ein Schultheiß und zwei Gerichtspersonen eingesetzt. Jacques Delporte war dieser erste Schultheiß.

Neben ihrer enormen Aufbauarbeit dachten die Hugenotten, denn sie waren ja gläubige Calvinisten, ständig auch an ihre kirchlichen Bedürfnisse. Ende 1684 erhielten sie auf ihre Bitten hin den ersten Pfarrer. Es war Louis de Combles, der aus Metz kam. Nun dachte man auch an den Bau einer Kirche. Die Gemeindemitglieder wollten allein für die Einrichtung des Baues sorgen, allerdings nur wenn sie durch die Landesregierung das Baumaterial gestellt bekommen würden.

Als aber die Kirchenbaukollekte nicht den erwarteten Beitrag einbrachte, bestimmte der Kirchenrat im April 1686:der Bau solle in möglichst einfacher Weise so ausgeführt werden, dass im unteren Stockwerk die Wohnung für den Pfarrer und eine Schulstube sowie im oberen Stockwerk der Betsaal (also der eigentliche Gottesdienstraum) untergebracht werden können.

Im Mai des gleichen Jahres wurde der Grundstein ohne besondere Feierlichkeiten gelegt, weil es ja nur ein „einfacher Bau“ war. Dennoch kostete die Errichtung dieses Baues 1.713 Gulden und dauerte über ein Jahr.

Der fertige Bau selbst war 55 Schuh lang und 40 Schuh breit, nach unseren heutigen Maßen also 16,5 X 12 Meter. Am Sonntag, 3. August 1687 war die Einweihung.

Doch nur kurze Zeit konnte sich die junge Gemeinde ihres „Kirchlein“ erfreuen. Mit dem Einmarsch französischer Truppen 1688 in die Pfalz (Pfälzischer Erbfolgekrieg) wurde Friedrichsfeld samt seiner Kirche zerstört.

Zum größten Teil waren die Kolonisten inzwischen mitsamt ihrem Pfarrer Louis de Combles nach Brandenburg, Magdeburg, Halle und Stendal gezogen. Auch in Hanau suchten sie eine neue Heimat.

War die Erstbesiedlung nur französischen Hugenotten vorbehalten, so kamen ab 1700 auch Katholiken in das neue Dorf. Von den Erstbesiedlern war nur die Familie von Noe de la Borne übrig geblieben. Die zweite Besiedelung von Friedrichsfeld ging langsamer vonstatten. Nach einer amtlichen Statistik befanden sich im Jahre 1727 nur 71 Seelen im Ort. Das waren 39 Katholiken, 29 Reformierte und 3 Lutheraner. Aus der ursprünglich französisch- reformierten Gemeinde wurde nun eine deutsch- reformierte, zumal die sechs verbliebenen französischen Familien nicht nur ihre nationale Eigenart, sondern auch ihre Sprache allmählich aufgaben.

Pfarrer Zeller aus Heidelberg hielt alle 14 Tage Gottesdienst in einem gemieteten Zimmer. Inzwischen bemühten sich die Gemeindemitglieder um finanzielle Unterstützung für den Bau einer neuen Kirche. Am 21 April 1738 konnte man den Grundstein zur zweiten Kirche legen. An der gleichen Stelle übrigens, wo die erste gestanden hatte, und wo heute das alte Schulhaus in der Neudorf-Straße steht. Sparsam war man schon damals: man benutzte die Grundsteinplatte der ersten Kirche und beschrieb die Rückseite. Die Einweihung selbst erschien so bemerkenswert, dass man darüber größere Aufzeichnungen hinterlassen hat. Zu erwähnen ist noch, dass sich die Gemeindemitglieder zur Einweihung auf der Kreutzstraße versammeln sollten. Denn vor der Kirche stand ein Kreuz. Daraus ist zu entnehmen, dass die Neudorf- oder Grenzhöfer- Straße ursprünglich die Kreuzstraße war.

Doch zurück zu Pfarrer Zeller. Als er starb, begann für Friedrichsfeld endlich ein urkundlich belegtes eigenes Gemeindeleben. Edingen wurde jetzt wieder zur selbständigen Kirchengemeinde erhoben mit Friedrichsfeld als Filialgemeinde. Ab 1741 wurde auch ein Kirchenbuch geführt, das noch hier im evangelischen Pfarramt liegt.

In den nun folgenden 100 Jahren wuchs die Gemeinde, die in der Hauptsache aus Bauern und Handwerkern bestand ruhig dahin und unterschied sich kaum von den Nachbargemeinden, nur dass man halt ärmer war als diese.

War Friedrichsfeld noch Mitte des 19. Jahrhundert ein Bauerndorf, so sollte sich dies bald ändern. Hierzu trug der Bau der Eisenbahn wesentlich bei. Am 12. September 1840 wurde die erste Badische Eisenbahn von Mannheim nach Heidelberg eröffnet. Dabei wurde Friedrichsfeld der Bahnhof Süd als Haltestelle zugesprochen. Täglich fuhren vier Züge hin und zurück. Bedingt durch den Streit der Städte Mannheim und Heidelberg um den Endhaltepunkt der Main-Neckar-Bahn kam es zur Kompromisslösung die 95 Kilometer lange Bahnstrecke von Frankfurt kommend in Friedrichsfeld enden zu lassen. 1846 wurde diese eröffnet.

Der erste Main-Neckar-Bahnhof wurde im Kiesweg (heute Rittershoferstraße) hinter dem Gasthaus „Krone“ (heute Rathaus und Turnhalle) errichtet. Der Überlieferung nach handelte es sich um ein Gebäude mit einem Natursteinsockel und einer Holzkonstruktion.

Nachdem 1880 auch die Rheintalstrecke angeschlossen wurde, mit der Eröffnung der Verbindung Friedrichsfeld- Schwetzingen, galt Friedrichsfeld als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Da der Gleiskörper sich verbreitete, musste der alte Nordbahnhof abgerissen werden und der zweite Main-Neckar-Bahnhof wurde in der damaligen Seckenheimerstraße (heute Main-Neckar-Bahn-Straße) vermutlich um 1880 gebaut.

Aber schon bald genügte auch er den Erfordernissen nicht mehr. Er wurde stillgelegt und in den Jahren 1913/1914 der dritte Main-Neckar-Bahnhof erstellt.

Ab 1910 begann der große Umbau der hiesigen Bahnanlagen unter dem Einsatz vieler italienischer Gastarbeiter. Die Gleise wurden höher oder tiefer gelegt, Tunnels oder Brücken gebaut, wie zum Beispiel die „Eselsbrücke“, die „Ochsenbrücke“ oder die Bahnüberführung über die heutige Vogesenstraße und die Unterquerung der Schwabenstraße. Jedenfalls sind damals die fünf ebenerdigen Bahnübergänge innerhalb von Friedrichsfeld beseitigt worden.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzog sich, durch die vorbeiführenden Bahnlinien gefördert, ein Strukturwandel in Friedrichsfeld. Das ursprüngliche Bauerndorf entwickelte sich zu einer Industriegemeinde. Um 1860 wurde auf dem Gelände der heutigen Friatec eine Ziegelei und Kalkbrennerei erstellt. 1872 übernahm der Mannheimer Fabrikant Julius Espenschied die Ziegelei und begann mit der Fertigung von Zement-Erzeugnissen. Dem Trend der Zeit folgend begann er mit der Fertigung von Tonröhren. Am 7. Mai ließ Espenschied das Unternehmen als „Portland Cement- und Thonwaarenfabrik“ in das Firmenregister von Schwetzingen eintragen.

Um 1890 geriet die Firma in finanzielle Schwierigkeiten und wurde durch das Bankhaus der Gebrüder Bonte übernommen und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die neue Firmenbezeichnung lautete: „Badische Thonröhren- und Steinzeugwaarenfabrik vormals Espenschied Aktiengesellschaft“.

Durch die ständige Erweiterung der Fabrikationshallen, sowie der Anschaffung neuer Fertigungseinrichtungen und der wesentlichen Verbesserung der Steinzeugmassen wuchs das Unternehmen unter der Führung von Direktor Otto Hoffmann zu einer Weltfirma heran.

1895 wurde der Firmenname geändert. Die nachfolgende Umfirmierung in  „Deutsche Steinzeugwaarenfabrik für Canalisation und chemische Industrie Friedrichsfeld in Baden“ sollte bis 1961 seine Gültigkeit haben.

Eine weitere Firma war die Eierteigwarenfabrik, die von den Friedrichsfeldern als „Die Nudel“ bezeichnet wurde. Das Unternehmen, von Martin Marquetant gegründet, wurde im November 1899 von Hermann Burger erworben.

1908 übernahmen die Heilbronner Nahrungsmittelfabriken „Otto und Kaiser“ das Unternehmen. Die Produktion von Eierteigwaren, Suppeneinlagen, Hafernährmittel und dergleichen, betrug bis zu 200 Zentner täglich. 1926 wurde die Fertigung eingestellt und das Werk vom neuen Besitzer „Müller & Link“ in eine Roßhaarspinnerei umgewandelt. Die Firma lieferte in der Hauptsache den Autofirmen das Rosshaar für die Autositze. Im Jahre 1966 übernahm die Firma „Naue KG“ das Werk und stellte Schaumgummistoffe für die Autoindustrie und für die Möbelbranche her. Mitte der 80 er Jahre wurde die Produktion eingestellt.

Als ein Unternehmen von Bedeutung ist auch die Firma „Reis und Co.“ zu nennen. 1904 wurde sie von Heidelberg nach Friedrichsfeld verlegt und war mit der Aufnahme der Kapokfabrikation die erste deutsche Kapokfabrik. Im Jahre 1907 wurde die Fabrik durch einen Großbrand völlig zerstört. Beim Neuaufbau wurde das Werk mit den modernsten Maschinen ausgestattet und hatte neben der Herstellung von Kapok eine Putzwollfabrikation und einen Färbereibetrieb. Die Tagesproduktion betrug 20.000 KG an Putzwolle und bis zu 2.000 KG an Kapok. 1961 wurde die Produktion eingestellt und das Gelände von der „Steinzeug“ angemietet. Im Jahre 1978 wurde die „Lumpezwick“ wie sie im Friedrichsfelder Volksmund hieß, dann abgerissen.

Ein weiteres Unternehmen von größerer Bedeutung waren die „Gummiwerke AG Neckar“. Im Mai 1921 wurde diese Firma gegründet. Erbaut wurde sie auf dem Gelände hinter der bereits erwähnten Firma Reis & Co. Neben der Herstellung von Fahrradreifen wurden täglich bis zu 1.000 KG Schuhsohlen und Absätze gefertigt.

Die „Fulmina AG Friedrichsfeld“ wurde 1913 von Käfertal nach Friedrichsfeld verlegt. Hier wurde mit dem Zusammenbau der ersten “Friedrichsfelder Autos“ begonnen. Nach Aufgabe des Automobilbaues wurde die Fertigung auf den Lenkungsbau und die bekannten Perrot- Bremsen umgestellt.

Zu erwähnen ist noch die Firma „Goldmann Maschinenbau“. 1902 in Mannheim gegründet wurde sie 1913 nach Friedrichsfeld verlegt. Die bei Goldmann hergestellten Kompressoren und Sandstrahlgebläse werden in die ganze Welt versandt.

Dieser kleine Streifzug durch die Industrie zeigt doch recht deutlich, welchen Strukturwandel das industrielle Zeitalter auch in Friedrichfeld bewirkt hat. Durch die Eisenbahn und durch die Ansiedlung von Industriebetrieben vergrößerte sich schlagartig die Einwohnerzahl unseres Dorfes. Eine solche Zuwanderung löste natürlich auch eine Wohnungsnot aus. Lediglich die Bahn baute für ihre Mitarbeiter Wohnungen in der „Bahnhofstraße“, der „Stallgass“ und heutigen Hirtenbrunnenstraße. Eine kleine Statistik soll zeigen, wie sich in kürzester Zeit die Einwohnerzahl vermehrte:

Im Jahr      1727           waren es      71      Einwohner

1790                                                                            169

1885                              1.080

1890                              1.280

1900                              1.820

1915                               3600

1925                              4.069

1930                              4.432

 

Mit zunehmender Einwohnerzahl entwickelte sich auch ein gesellschaftliches Leben in Friedrichsfeld. Im Jahre 1877 wurde als erster Verein der Gesangsverein Liederkranz aus der Taufe gehoben. Zwei Jahre später wurde in der Steinzeugfabrik der Werks-Chor Frohsinn gegründet.

Auch im kirchlichen Bereich wurde man aktiv. Oberlehrer Sponagel gründete im Jahre 1887 den evangelischen Kirchengesangsverein. Bei den Katholiken, die in Seckenheim am Gottesdienst teilnehmen mussten, gründete man, hauptsächlich initiiert von Spenglermeister Jakob Müller II und Hauptlehrer Johann Katzenberger den Friedrichsfelder Cäcilienverein.

Mit dem Bau einer eigenen Kirche befassten sich seit Jahren gemeinsam beide Kirchengemeinden. Die evangelische, weil ihre Kirche zu klein geworden war und die katholische, weil sie gar keine Kirche hatten. Und gerade die letzteren sollten die ersten werden: am 8. Mai 1898 hat Pfarrer Karl Faulhaber aus Seckenheim die Grundsteinlegung zum Bau der Sankt Bonifatiuskirche vollzogen und am 26. September 1899 hatte der Weihbischof Dr. Friedrich Knecht die Kirche eingeweiht.

Inzwischen hatten auch die evangelischen Gemeindemitglieder mit dem Bau einer Kirche begonnen. Nach ein-einhalbjähriger Bauzeit wurde am 16. Oktober 1902 in Anwesenheit des Großherzoglichen Ehepaares die neue Kirche eingeweiht.

Dieser Tag war auch ein ganz besonderer Tag für den seit 23 Jahren amtierenden Bürgermeister Johannes Dehoust. Mit den Honoratioren der Gemeinde erwartete er den verspätetet ankommenden Großherzog am Süd-Bahnhof. Auf seine gezückte Taschenuhr blickend grüßte er mit den Worten: „Schbood, schbood, Herr Großherzog!“ Mit diesem Ausspruch hat sich Bürgermeister Dehoust in Friedrichsfeld verewigt. Sein spontaner Satz wird auch heute noch nach über 100Jahren bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit angewendet. Das alte evangelische Kirchlein wurde dann 1903 abgerissen und an seiner Stelle das noch heute stehende alte Schulhaus erbaut.

Im Jahre 1908 waren übrigens auch 13 Wirtschaften vorhanden, die alle einen guten Zuspruch hatten. Allerdings nicht immer zum Wohle der doch meist kinderreichen Familien.

Es war aber nun auch die Zeit der Vereinsgründungen. So wurde als ältester Sportverein 1892 die Turngesellschaft gegründet. 1903 folgte der Fußball-Club Germania, 1906 der Turnerbund Germania, der sich 1919 mit der Turngesellschaft zusammenschloss. Weiter gegründet wurden aber auch der Gesangverein Flora und der Arbeitergesangverein Vorwärts. Dazu gab es noch den 1907 gegründeten Radfahrverein Germania und den Radfahrverein Solidarität. Auch ein Schwer-Athletenverein gab es in Friedrichsfeld. Und dann kamen für kurze Zeit noch zwei Fußballvereine hinzu, welche sich allerdings bald wieder auflösten.

Das aktive Vereinsleben wurde allerdings durch den ersten Weltkrieg unterbrochen, aus dem viele junge Leute nicht mehr zurückkehrten.

Danach musste überall das Vereinsleben neu aufgebaut werden. Nun kam ein Verein von Bedeutung hinzu: der im Jahr 1922 gegründete Turnverein.

Eine Begegnungsstätte für viele Arbeiter-Vereine wurde das von 1925-1929 gebaute Vereinshaus auf dem heutigen Gelände der Firma Metzler/Schoeps. Es sollte zum Vereinshaus für alle aktiven Arbeiter-, Sport- und Kulturvereine in Friedrichsfeld werden.

Auch die katholische Kirchengemeinde hatte unter dem tatkräftigen und beliebten Pfarrer Franz-Xaver Bürkle mit dem Bau des „Bernhardushof“ ein Gemeindezentrum geschaffen.

1919 war dann die erste Bürgermeisterwahl nach dem Kriege. Ernst Becherer erhielt dabei die meisten Stimmen. Allerdings erreichte er nicht die Mehrheit. Nur kommissarisch verwaltete er Friedrichsfeld ein Jahr lang. Bei der Neuwahl wurde er mit den Stimmen der SPD und des Zentrums endgültig gewählt. Er blieb bis 1930 im Amt. Friedrichsfeld hat Bürgermeister Becherer viel zu verdanken. Er förderte den Straßenbau, Bürgersteige wurden angelegt- da hatten die reichen Seckenheimer noch lange keine- und 1926 ließ er die Leichenhalle auf unserem Friedhof bauen. Das alles kostete natürlich sehr viel Geld und Friedrichsfeld war stark verschuldet. Im April 1925 wurde Friedrichsfeld auf sein Betreiben hin zur Stadtgemeinde erhoben. Die Seckenheimer Zeitung kommentierte dies so: „Friedrichsfeld mit Titel aber ohne Mittel“, denn finanzielle Vorteile ergaben sich daraus nicht.  

Bürgermeister Becherer war ein Mann mit Weitblick, er sah die Entwicklung voraus und er hatte Recht. 1930 wurde Friedrichsfeld mit Seckenheim nach Mannheim eingemeindet.

 

Ottmar Sester, 2001

 
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